Empirische Studie: Partnervergütung, Strategie und Verhalten

Nach welchen Regeln Partner in Professional Service Firms ihr Geld verdienen, wird in der Praxis viel diskutiert. Partnervergütung ist aber wenig im Fokus der Forschung zu Professional Service Firms. So kommt es, dass die spezifischen Syteme der Partnervergütung von Partner/-innen in PSFs wie z. B. das Lockstep-, das Eat-what-you-kill, oder das Merit-based-System bislang kaum erforscht wurden – anders als das unterhalb der Partnerschaft angewandte Vergütungssystem im sogenannten Tournamentmodell. Dies ist aus zwei Gründen bemerkenswert:

  • Erstens, weil sich das Partnerschaftsmodell in PSFs vor dem Hintergrund aktueller institutioneller Veränderungen (Entwicklung von der klassischen „Professional Partnership“ (P2) über das „Managed Professional Business“ (MBP) hin zum „Global Professional Network“ (GPN) stärker ausdifferenziert hat und mittlerweile auch mehrstufige Partnerschaftssysteme mit integrierten Alternativpositionen ohne vollen Partnerstatus in der Praxis beobachtbar sind. Nicht mehr alle Partner sind mit Eigenkapital an der PSF beteiligt (Equity-Partner versus Salaried Partner), Partner wird man nicht mehr auf „Lebenszeit“  und die angewendeten Vergütungssysteme für Partner in PSFs werden immer komplexer.
  • Zweitens sind PSFs als Forschungsfeld sehr heterogen: Während klassische Partnerschaftsmodelle (Professional Partnership, P2) dadurch gekennzeichnet sind, dass die Partner/-innen eine hohe Autonomie genießen, gibt es zunehmend mehr PSFs, die strategisch geführt werden und stärker management- und effizienzgetrieben denken (MPB oder GPN). Vergütungssysteme sind dabei aufgrund ihrer Anreiz- und Motivationswirkung eine zentrale organisationale Praktik, die dazu beiträgt, dass strategische Unternehmensziele durch die Partner/-innen umgesetzt werden. Wenn PSFs sich von einer P2 zu einer MPB bzw. zu einem GPN wandeln wollen, ist es für die Steuerungsgremien der PSF bzw. den Managing Partner ein zentraler Ansatzpunkt, die Vergütungssysteme für die Partner/-innen anreizwirksam zu gestalten, denn das Interaktions- und Kooperationsvorhalten wird dadurch vermutlich wesentlich beeinflusst.

In einem Forschungsprojekt, das der Lehrstuhl für Personalmanagement und Organisation (Prof. Dr. Stephan Kaiser) an der Universität der Bundeswehr München koordiniert, wird das skizzierte Thema aufgegriffen und die die Partnervergütung in PSFs analysiert. Der zentrale Fokus des Projekts liegt dabei auf der Analyse den Zusammenhängen zwischen den Vergütungssystemen, den Strategien von PSFs und den Interaktions- und Kooperationsverhalten von Partnern.

Hierzu werden wir mittels einer qualitativen Vorstudie sowie einer quantitativen Umfrage empirische Daten in den größten in Deutschland tätigen Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Unternehmensberatungen erheben. Ziel der Studie ist es, die jeweils verwendeten Partner-Vergütungssysteme in Beziehung zu setzen zur strategischen Ausrichtung der Kanzlei und de gewünschten Verhaltensweisen von Partnern. Dadurch wollen wir vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion zum Wandel in PSFs empirische gestützte Erkenntnisse darüber gewinnen, welcher spezifischer Zusammenhang zwischen den etablierten Vergütungssystemen für Partner und Partnerinnen und der strategischen Ausrichtung von PSFs in der Praxis besteht.

Bei Fragen zur Studie und zum Thema Partnervergütung kontaktierten Sie uns bitte gerne.