Über Professional Service Firm.NET

Professional Service Firms wie Wirtschaftskanzleien (Law Firms), Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Ingenieurdienstleister, etc. sind Unternehmen des Dienstleistungssektors (tertiären Sektor). Sie erbringen wissensintensive Dienstleistung für andere Unternehmen. Häufig sind die Teilbrachen berufsständisch geprägt (z.B. Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater). In diesen Branchen müssen die „Professionals“ über die jeweiligen Kammern zugelassen werden, um ihre Dienstleistungen anzubieten. Andere PSF-Branchen, wie insbesondere Unternehmensberatungen, haben kein geschütztes Berufsfeld und stehen daher jedem Unternehmen offen, das sich im umkämpften Markt durchsetzen kann.

In der heutigen wissensintensiven Dienstleistungsgesellschaft spielen Professional Service Firms eine zentrale Rolle. Unternehmensberatungen unterstützten Konzerne beispielsweise bei strategischen Neuausrichtung. Mit Hilfe von IT-Dienstleistern werden Unternehmensprozesse effizienter gestaltet. Innovationen, z.B. im Automobilbereich, leben in starkem Maße von Ingenieurdienstleistungsunternehmen. Investmentbanken und Wirtschaftskanzleien sind an den großen Zusammenschlüssen und Käufen von Unternehmen beteiligt und bestimmen so das Erscheinungsbild der großen Konzerne mit.

Trotz dieser großen faktischen Bedeutung und trotz zahlreicher und spannender Managementherausforderungen wird den Professional Service Firms seitens der Managementforschung bislang vergleichsweise wenig – wenn auch zunehmend –  Aufmerksamkeit geschenkt. Zudem werden Erkenntnisse der Forschung kaum in die Praxis transferiert. Die Plattform Professional Service Firm.NET möchte deshalb das Thema Professional Service Firms sowohl für Forschende als auch für Praktiker stärker in den Blick rücken und damit sichtbarer machen. Durch die Darstellung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in verständlicher Form und deren Übersetzung in praktischen Implikationen möchte die Plattform Professional Service Firm.NET einen schnellen Überblick zu aktuellen Themen der Professional Service Firm-Forschung bieten und Anregungen für das Management geben.

Nach unserer Auffassung ist für Professional Service Firm zunehmend relevant, wissenschaftliche Erkenntnisse im Management zu kennen und anzuwenden. Die Herausforderung an Professional Service Firms sind andere, als die an alleine oder im kleinen Verbund tätigen Professionals (bzw. als niedergelassener Anwalt oder in einer kleinen Sozität).  In Professionals Service Firms geht nicht mehr nur darum, exzellentes Wissen vorzuhalten, die Beziehung zu Klienten und Mandanten zu pflegen und darauf zu achten, dass die eigene Reputation wächst und nicht leidet.

Vielmehr  geht es darum, dass viele Professional Service Firms basale Grundsätze von Organisation und Unternehmensführung zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Dies liegt nicht zuletzt am Selbstverständnis vieler Professionals. Insbesondere wenn diese nicht betriebswirtschaftlicher Provenienz oder berufsständisch organisiert sind, gehen sie auch heute noch häufig davon aus, dass die einzige Aufgabe des Professionals darin besteht, eine inhaltlich hochwertige Leistung für den Kunden zu erbringen, der diese zu bezahlen habe. Die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung und deren Management und Organisation stehen zunächst nicht im Vordergrund stehen.

Beobachter der Teilbranchen (z.B. Wirtschaftsprüfung, Law Firms, Strategieberatung) stellen jedoch fest, dass in den letzten Jahren prinzipiell ein zunehmendes Managementbewusstsein zu verzeichnen ist. Ausdruck dieses Bewusstseins ist der Wandel von rein partnerschaftlich geführten Professional Service Firms hin zu managementorientierten „Konzernen“, womit der zunehmenden Verschärfung des Wettbewerbs begegnet werden. Verbunden hiermit ist ein Bedarf der  Professionalisierung des Managements von Professional Service Firms. Diese kann jedoch nur auf Basis wissenschaftlich fundierten Wissens gelingen, so dass eine übergreifende Forschung zu Professional Service Firms aber auch eine zu den Besonderheiten der einzelnen Teilbranchen notwendig wird.